Du sollst dankbar sein. Positiv bleiben. Jeden Tag als Geschenk sehen. Das hörst du vielleicht oft, von Menschen die es gut meinen. Und vielleicht versuchst du es auch, wirklich.
Aber was ist, wenn du gerade nicht dankbar bist? Was ist, wenn du wütend bist, erschöpft, verbittert, traurig auf eine Art die sich nicht in Worte fassen lässt?
Dieser Beitrag ist für dich.
Gefühle die niemand erwartet
Eine Krebsdiagnose bringt Gefühle mit sich, auf die man nicht vorbereitet ist. Und viele davon sind nicht die, die die Gesellschaft von einem kranken Menschen erwartet.
Wut. Auf die Diagnose, auf den eigenen Körper, auf das Leben das plötzlich so anders aussieht als geplant. Manchmal auf Menschen die gesund sind und sich darüber keine Gedanken machen. Manchmal auf die gut gemeinten Ratschläge, die sich wie ein Schlag anfühlen.
Neid. Auf Menschen die einfach ihren Alltag leben, ohne Arzttermine, ohne Angst, ohne diese Erschöpfung die sich in jeden Knochen frisst.
Schuldgefühle. Das Gefühl, anderen zur Last zu fallen. Dass man irgendwie selbst schuld ist. Dass man nicht positiv genug ist. Dass man zu viel weint, oder zu wenig.
Taubheit. Tage an denen man gar nichts fühlt, einfach funktioniert, und sich dabei fremd vorkommt.
All das ist normal. All das ist menschlich. Und all das darf sein.
Warum positive Gefühle nicht immer helfen
Es gibt einen gut gemeinten aber problematischen Druck in unserer Gesellschaft: den Druck, krank zu sein und dabei trotzdem stark, optimistisch und inspirierend zu wirken.
Das ist eine Last die niemand tragen sollte.
Studien zeigen, dass das Unterdrücken von Gefühlen langfristig mehr schadet als hilft. Gefühle die keinen Raum bekommen verschwinden nicht. Sie suchen sich andere Wege, durch den Körper, durch Schlafstörungen, durch plötzliche Zusammenbrüche im falschen Moment.
Echte Verarbeitung beginnt damit, zu fühlen was da ist. Nicht zu bewerten. Nicht zu zensieren.
Was du dir erlauben darfst
Wütend zu sein. Laut, leise, allein oder mit jemandem der zuhört.
Traurig zu sein um das Leben das du dir vorgestellt hattest und das gerade so anders aussieht.
Neidisch zu sein, ohne dich dafür zu schämen.
Tage zu haben an denen du nicht kämpfst, sondern einfach nur existierst.
Zu weinen, ohne Grund, ohne Ende, einfach weil es sich so anfühlt.
Und auch: manchmal zu lachen. Ohne schlechtes Gewissen. Freude und Schmerz schliessen sich nicht aus.
Was wirklich hilft
Gefühle brauchen einen Ort. Nicht unbedingt Worte, aber irgendeine Form von Ausdruck.
Manche Menschen schreiben. Ein Tagebuch, Notizen auf dem Handy, Briefe die nie abgeschickt werden. Schreiben gibt dem Chaos eine Form.
Andere bewegen sich. Nicht als Sport, sondern als Ventil. Ein kurzer Spaziergang, laute Musik, irgendetwas das den Körper wieder spüren lässt.
Wieder andere reden. Mit jemandem dem sie vertrauen, einem Psychoonkologen, einer Selbsthilfegruppe. Mit Menschen die verstehen, weil sie selbst dort waren.
Es gibt kein richtiges Wie. Nur das, was für dich funktioniert.
Ein letzter Satz
Du musst deine Krankheit nicht schön finden. Du musst sie nicht in etwas Sinnvolles verwandeln. Du musst keine Lektion daraus ziehen.
Du darfst einfach mittendrin sein. Mit allem was das bedeutet.
Das ist genug.