Die Behandlungszeit ist oft eine Phase aus Wartezimmern, Müdigkeit und vielen kleinen Entscheidungen. In meiner Begleitarbeit höre ich immer wieder: „Was uns getragen hat, waren die kleinen Rituale.“ Hier sind fünf, die sich bewährt haben.
1. Der Drei-Wörter-Tag
Am Ende jedes Tages sagt jede:r in der Familie drei Wörter: eines für etwas, das schwer war, eines für etwas, das geholfen hat, eines für morgen. Das gibt dem Tag einen kleinen Rahmen – auch wenn er sonst chaotisch war.
2. Das Lieblings-Frühstück vor der Chemo
Vor jedem Behandlungstermin ein gemeinsames Lieblings-Frühstück, immer dasselbe. Das nimmt den medizinischen Tagen ihren bedrohlichen Klang. Sie bekommen einen Anfang, den ihr selbst gestaltet.
3. Der Spaziergang um den Block
Nach jeder Behandlung – wenn es geht – ein kleiner Spaziergang. Nicht weit, nicht sportlich. Einfach nur: rauskommen, atmen, das Klinikgefühl abstreifen. Die körperliche Bewegung ordnet auch innen.
4. Die Sonntagskerze
Sonntagabend zündet ihr eine Kerze an und lasst sie eine Stunde brennen. Wer mag, sagt einen Satz, was er oder sie diese Woche gebraucht hätte. Niemand muss antworten. Es geht ums Hören, nicht ums Lösen.
5. Die Liste der Helferinnen
Eine Liste am Kühlschrank: Wer kann mit Essen helfen, wer mit Fahrten zur Klinik, wer mit Hund? Wenn jemand fragt, ob er helfen kann, weist du ihm einen Eintrag zu. Das nimmt dir die Aufgabe, alles selbst zu koordinieren – und gibt anderen die Chance, wirklich da zu sein.
Der gemeinsame Nenner
Was diese Rituale eint, ist nicht ihr Inhalt – es ist ihre Wiederholung. Sie schaffen einen kleinen Rhythmus in einer Zeit, in der vieles aus dem Takt geraten ist. Du musst nicht alle ausprobieren. Eines, das ihr durchhaltet, trägt mehr als fünf, die ihr nach einer Woche wieder vergesst.
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